KOMMA-Befragung 2010 - Resultat

 KOMMA hat im April und Mai 2010 eine Befragung der öffentlichen Verwaltungen in Schleswig-Holstein durchgeführt. Ziel der Befragung war die Ermittlung des Unterstützungsbedarfes zu den Themen:  

  • Bewältigung der öffentlichen Aufgaben mit deutlich reduzierten Haushaltsmitteln und damit auch weniger Personal.

  • Auswirkungen des demografischen Wandels, die bedrohend näher rücken und Handlungsbedarf signalisieren.

  • ALVO und den TVöD § 5, die eine zeitnahe Qualifizierung von Beamten/innen und Tarifbeschäftigten fordern

  • Weitere Umsetzungsschritte des Neuen Kommunalen Rechnungswesens

  • Drängende Bedarfe nach Lösungen für bestimmte Berufsgruppen, insbesondere im Kinder-, Jugend- und Sozialbereich.

Darüber hinaus wurden auch die präferierten Methoden für die Vermittlung von fachlicher und sozialer/methodischer Kompetenz erfragt, sowie die Bedarfe für berufsbegleitende Qualifizierungen zum/zur Personalentwickler/in und für Führungskräfte des mittleren und unteren Management ermittelt. >>> Fragebogen

Durchführung der Befragung

Die Befragung hatte KOMMA zuerst über einen IT-Anbieter als Online-Befragung durchgeführt. Die Bitte um Beteiligung an der Befragung wurde am 26.3.2010 verschickt. Nachdem die ersten Rückläufe von Verwaltungen eingegangen waren, musste KOMMA feststellen, dass die zurückgemeldeten Daten vom Online-System falsch weiter verarbeitet worden waren. Daraufhin hat KOMMA entschieden, diese nicht durch KOMMA zu vertretenden technischen Mängel nicht in Kauf zu nehmen und die Befragung in Eigenregie und in gewohnter Form per Mailanhang durchzuführen. Diese erneute Beteiligungsanfrage wurde am 8.4.2010 verschickt.

Die Befragung richtete sich an obere Führungskräfte, die einen Überblick über ihre gesamte Verwaltung haben sowie an Führungskräfte im Personalbereich. Die Befragung erfolgte nicht anonym, allerdings werden die Ergebnisse nur in aggregierter Form weiter gegeben.

Beteiligung an der Befragung

Trotz der Startwidrigkeiten haben insgesamt 57 Verwaltungen den KOMMA-Fragebogen beantwortet. Neben 2 ARGEn und einem Zweckverband haben sich 54 Landes- bzw. Kommunalverwaltungen an der Befragung beteiligt, das entspricht einer Rücklaufquote von 32,7%.


Rücklauf

Grundgesamtheit

Rücklaufquote

Land

3

8

37,5%

Kreise

5

11

45,5%

Städte

18

49

36,7%

Gemeinden

8

31

25,8%

Ämter

20

66

30,3%

       

GESAMT

54

165

32,7%

Bei diesem Rücklauf von einem Drittel der Grundgesamtheit, können die Befragungsergebnisse als statistisch repräsentativ betrachtet werden und somit interpretiert werden.

Ergebnisse der Befragung

1. Themen zu Haushaltskonsolidierung/Stellenreduzierung

Für fast drei Viertel der befragten Verwaltungen (71,9%) ist in diesem Themenbereich die "Zusammenarbeit zwischen Politik und Verwaltung" von höchster Wichtigkeit. Daneben werden vor allen "mittelfristige Strategien zur Bewältigung der Haushaltskonsolidierung" (68,4%) gesucht. Die präferierten Herangehensweisen zur Umsetzung der Haushaltskonsolidierung werden in der Führung ("Führen in schwierigen Zeiten" 63,2%) und in der Organisationsentwicklung ("Haushaltskonsolidierung betrifft die gesamte Verwaltung" 50,9%) gesehen.

2. Themen im Bereich der Demografischen Entwicklung

Etwa jede zweite Verwaltung sieht in einzelnen Aspekten der demografischen Entwicklung für sich einen Handlungsdruck. An erster Stelle steht dabei der Aufbau eines "Wissensmanagements zum Erhalt des Wissens der Altersabgänge" (56,1%). Um den Auswirkungen des demografischen Wandels am besten zu begegnen, sollte nach Meinung jeder zweiten Verwaltung die "Zusammenarbeit zwischen Politik und Verwaltung" (52,6%) verbessert werden, die "Führung" auf Altersabgänge, Wissenssicherung, Arbeitsverdichtung etc. (54,4%) angemessen reagieren und ein "Personalmarketing" (52,6%) aufgebaut werden, welches die Personalauswahl unter abnehmenden Bewerbungszahlen berücksichtigt.

3. Themen im Bereich der Umsetzung der Doppik/ des NKR

Auch bei der Umsetzung der Doppik/ des NKR wird ein Handlungsbedarf vor allen in der "Zusammenarbeit zwischen Politik und Verwaltung" (47,4%) gesehen und ebenfalls relativ häufig ein Zusammenführen der "Produktziele mit LoB-Zielen" (43,9%). Zu einzelnen Umsetzungsschritten besteht weiterhin ein Unterstützungsbedarf, genannt wurden: Eröffnungsbilanz, Anlagenbuchhaltung, wirkungsvolle Kennzahlenvergleiche, Übernahme und Auswirkung einer dezentralen Ressourcenverantwortung, Zusammenarbeit mit anderen, Gesamtabschluss.

4. Themen im Bereich der Laufbahnverordnung (ALVO) bzw. des Tarifbereichs (TVöD §5)

Der größte Handlungsbedarf wird bei der "Führungsqualifizierung" (61,4%) sowie der "Erhaltungsqualifizierung" (56,1%) gesehen. Eine Führungsqualifizierung müsse sich vor allem auf die folgenden Themenbereiche erstrecken: Doppik, Motivation von Mitarbeiter/innen, Umgang mit schwierigen Mitarbeiter/innen, Umgang mit "inneren Kündigungen", zeitgemäße Führung, Mitarbeitergespräche, Beurteilungen, LoB, Führung von Besprechungen, Anerkennung.

5. Themen im Bereich berufsspezifischer Beschäftigtengruppen

Am relativ häufigsten wurde hier der Bereich "Kita/Schule" angekreuzt. Zu den bereits aufgeführten Berufsgruppen müssten weitere hinzugefügt werden, nämlich Beschäftigte im Gebäudemanagement: Technik, Energie, EDV, Reinigung, Hausmeister; Beschäftigte im Bürgerbüro: Auswirkungen des E-Governments (elektronischer Pass, E-Gewerbe, D 115); Beschäftigte in Zentralen Abrechnungsstellen (Doppik); Aufgaben einer Controllerstelle (i.d.R. Doppik); Aufgaben eines Produktverantwortlichen (organisatorisch und betriebswirtschaftlich; Ingenieure und kaufmännische Angestellte etc.

6. Weitere aktuelle Themen

Einige Verwaltungen haben aktuell weitere Themen zu bearbeiten. Genannt wurden u.a.: Schulentwicklungsplanung, Gebäudemanagement, Vergabevorschriften (insbesondere unter dem Einfluss von EU-Recht), Methodenkompetenz für Planungsprozesse (Stadtplanung), Beitragsveranlagung, Umsetzung der Selbstüberwachungsverordnung, Kommunikation nach innen und außen, Internetpräsenz, praktische Umsetzung der EG-DLRL, IT-Standardisierung von Verwaltungsverfahren, Bürokratieabbau, Bewertungskommission, Beteiligungsmanagement, strategische Ziele, Leitbilder, Umgang mit Medien, Regionalmarketing.

7. Vermittlungsmethoden zur fachlichen Kompetenz

Zur Vermittlung fachlicher Kompetenz werden vor allem die klassische Seminarform (96,5%) und die Inhouse-Seminare (73,7%) bevorzugt. Von fast der Hälfte der befragten Verwaltungen werden darüberhinaus auch "Moderierte Workshops" (42,1%), "Netzwerke zum fachlichen Austausch" (42,1%) und "Informationsveranstaltungen" (43,9%) als geeignete Vermittlungsform betrachtet. Weniger beliebt oder bekannt sind "Kongresse", "Großgruppenveranstaltungen", "Blended Learning Module" und "Train the Trainer Konzepte".

8. Vermittlungsmethoden zur sozialen und methodischen Kompetenz

Auch in diesem Bereich liegt die Seminarform an der Spitze der Beliebtheitsskala (84,2%). Es folgen die "Inhouse-Seminare" (64,9%), das "Coaching" (56,1%) und die "Moderierten Workshops" (45,6%). 

9. Von der Personalverwaltung zur Personalentwicklung (PE)

Für eine berufliche Qualifizierung zur/zum Personalentwickler/-in melden über die Hälfte der befragten Verwaltungen (59,6%) einen Bedarf an. Die kleineren Verwaltungen sind hier zurückhaltender, da ihre Personalstruktur eher überschaubar ist.

10. Vom Vorgesetzten zur Führungskraft

In fast genau so vielen Verwaltungen (56,1%) ist ein Bedarf vorhanden, Führungskräfte des mittleren und unteren Managements für weitere Führungsaufgaben zu qualifizieren. Auch hier ist eine eher längerfristige, berufsbegleitende Qualifizierungsreihe sinnvoll.


Resultate der Befragung

Diese zurückgemeldeten Bedarfe hat KOMMA zum Anlass genommen, ein ganz neues Modul „In schwierigen Zeiten erfolgreich!“ zu entwickeln, welches speziell auf diese Unterstützungswünsche der Verwaltungen reagiert. Andere Bedarfe aus der Befragung haben wir dem schon bekannten Modul „Berufsbegleitende Qualifizierung“ zugeordnet, da mit diesen Angeboten ein Zertifikat erworben werden kann.

Bei diesem Angebot geht es um die Vernetzung von Entscheidungsfeldern wie „Mittelfristige Strategien“, „Führungsinstrumente“, „Kultur, Einstellungen, Verhalten“ und „Leistungserbringung“.

Diese Qualifizierungsreihe verbindet für Führungskräfte des mittleren und unteren Managements den Ausbau von persönlichen Kompetenzen mit der Bewältigung anstehender Herausforderungen.

In diesem Angebot geht es um die Frage, wie Politik und Verwaltung mit ihren arbeitsteiligen Aufgaben noch besser miteinander kooperieren und gemeinsam erfolgreicher sein können, um den wachsenden gesellschaftlichen, politischen und rechtlichen Herausforderungen gerecht zu werden.

Eine moderne Personalentwicklung ist mehr als Personalverwaltung. Die Aufgaben der Personalentwicklung werden an den Verwaltungszielen gemessen und ausgerichtet.

Dieses Angebot richtet sich an erfahrene Führungskräfte, die mit systemischen Kompetenzen und Denken ihre Aufgaben bewältigen wollen.

Die zwanzig wichtigsten globalen Megatrends, die unsere Zukunft prägen, werden vorgestellt und diskutiert. Ihre Relevanz für das Politik- und Verwaltungshandeln soll im Mittelpunkt stehen.

Ähnlich dem „KN-Forum“ werden etwa zweistündige Themenabende an wechselnden Örtlichkeiten in Schleswig-Holstein durchgeführt. Anerkannte und herausragende Persönlichkeiten werden die einzelnen Themen präsentieren und mit einem maximal 100 Personen umfassenden Auditorium diskutieren.

Die zunehmende Bedeutung der physischen und der psychischen Gesundheitsbelastungen im Arbeitsbereich verlangt eine professionelle Beratung und Gesundheitsförderung.

Die Klientel bestimmter Berufsgruppen in der öffentlichen Verwaltung wird zunehmend aggressiver und gewaltbereiter. Wie in schwierigen Situationen mit gewaltbereiten Personen umgegangen werden kann, soll in Theorie und Praxis geübt werden.

Wir hoffen, dass dieses neue Angebot Ihre Zustimmung erfährt und freuen uns sehr auf Ihr Kommen.